Es war kurz vor zehn, als die ersten Besucher am 13.06.2026 in den Hof des Hattinger Rathauses kamen. Der Himmel grau, unentschlossen, fast ein wenig mürrisch. Ein paar von uns Ausstellern haben sich angeschaut und das Gleiche gedacht. Und dann kam die Sonne doch noch.
Mit Badwünsche war ich beim 23. Hattinger Gesundheitstag dabei. Vier Stunden, ein kleiner Stand, viele Gespräche. Und das Gefühl, dass sich das Kommen gelohnt hat. Hier ist mein Rückblick.
Ein Tag, an dem aus Fragen Gespräche wurden
Wer schon einmal an so einem Tag ausgestellt hat, kennt den Unterschied zwischen Vorbeigehen und Stehenbleiben. Vorbeigehen ist schnell. Stehenbleiben heißt, jemand hat eine Frage, die ihn schon länger begleitet.
Bei mir blieben an diesem Samstag viele stehen. Manche mit einer klaren Vorstellung, aber die meisten kamen mit einem unguten Gefühl. Manche konnten es noch gar nicht richtig in Worte fassen.
„Ich dusche noch. Aber ich überlege jedes Mal, wie ich wieder raus komme.“ Das ist der Moment, um den es geht. Nicht der Sturz. Das Überlegen davor.

Wer in Hattingen vor Ort war
Was den Hattinger Gesundheitstag 2026 so wertvoll macht: An einem einzigen Vormittag steht fast die gesamte regionale Gesundheits- und Sozialversorgung an einem Ort. Wer sonst Wochen mit Telefonaten verbringt, findet hier an einem Nachmittag Antworten. Ein paar Anlaufstellen, die ich mir gemerkt habe, weil sie für meine eigenen Kundinnen und Kunden immer wieder Thema sind:
- Das Palliativnetz EN-Süd und Hattingen berät Patienten und Angehörige nicht nur medizinisch, sondern auch ganz praktisch: bei der Beschaffung von Hilfsmitteln, beim Antrag auf einen Pflegegrad, bei Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.
- Die Alzheimer Gesellschaft Hattingen und Sprockhövel ist Anlaufstelle für Familien, in denen Demenz zum Alltag gehört. Genau die Familien, die sich oft als Erste fragen, ob das Zuhause noch sicher genug ist.
- Der Sozialpsychiatrische Dienst des Ennepe-Ruhr-Kreises und die AIDS-Initiative EN standen für den Teil, über den seltener gesprochen wird: seelische Gesundheit und niedrigschwellige Beratung.
- Das St. Elisabeth-Krankenhaus Niederwenigern und die Augusta Kliniken mit dem Ev. Krankenhaus Hattingen brachten die medizinische Seite mit, von Geriatrie bis Psychosomatik.
- Die Reha-Tagesklinik ortho mobile, die DLRG und das Deutsche Rote Kreuz mit dem Thema Hausnotruf rundeten das Bild ab. Hausnotruf und sicheres Bad gehören für mich ohnehin zusammen.
Dazu der Kreissportbund Ennepe-Ruhr und der Stadtsportverband Hattingen, der TuS Hattingen, das Hattinger Bündnis für Familie und viele mehr. Insgesamt rund 27 Stände. Wenn Sie also gerade selbst vor einer Frage stehen und nicht wissen, wohin: Die meisten dieser Stellen beraten auch außerhalb des Gesundheitstags, kostenlos und vor Ort in der Region.
Draußen Bewegung, drinnen Orientierung
Der Gesundheitstag hat in den vergangenen Jahren sein Gesicht verändert. Weniger Vortrag von vorn. Mehr Mitmachen, mehr Bewegung, mehr Begegnung. Das hat man 2026 sofort gemerkt.
Auf der ebenerdigen Bühne hinter dem Rathaus zeigten Vereine, was sie können. Tanz, Judo, Sportakrobatik, Tai Chi, Line Dance. Daneben ein abgesteckter Bewegungsparcours mit Pylonen, an dem Jung und Alt ausprobieren konnten, wie es um die eigene Beweglichkeit steht. Der Stadtsportverband bot dazu einen Alltagsfitness-Test an. Eine grüne Hüpfburg für die Kinder.
Das passt besser zu meinem Thema, als es auf den ersten Blick scheint. Beweglichkeit ist nichts, was man mit 65 plötzlich verliert. Sie verändert sich langsam. Und ein Bad, das mitdenkt, gibt einem genau dort Halt, wo der Körper einmal weniger verzeiht.
Drinnen im Hattinger Rathaus war es auch voll. An vielen Infoständen ging es um Vorsorge, Pflege, Selbsthilfe, Beratung. Im großen Sitzungssaal lief unter dem Titel „Medizin im Dialog“ ein dichtes Vortragsprogramm. Verdauungsbeschwerden um 10.30 Uhr, danach Arthrose, Osteoporose und Stürze, am Mittag dann Parkinson und Bewegungsstörungen. Die Ärzte saßen dabei nicht vorn auf einer Bühne, sondern mitten unter den Leuten. Fragen rein, Antworten raus, auf Augenhöhe.

Ein Handschlag, der mehr war als ein Foto
Gegen Mittag kam Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing (SPD) an meinem Stand vorbei. Wir haben uns die Hand gegeben, ein paar Sätze gewechselt, ein Foto gemacht.
Was mir gefallen hat: Sie ist an diesem Tag nicht nur von Stand zu Stand gelaufen. Bei der Judovorführung hat sie selbst mitgemacht und nebenbei die Prüfung zum weiß-gelben Gurt abgelegt. Das ist genau die Haltung, die solch ein Tag benötigt. Nicht zuschauen. Mitmachen. Eine sehr sympathische Frau!

Was mir die Gespräche gezeigt haben
Am Ende des Tages bleibt nicht die Zahl der Visitenkarten hängen. Es bleiben die Sätze.
Auffällig war, wie oft nicht der Betroffene selbst kam, sondern die Tochter, der Sohn, der Partner. Menschen, die für jemanden anderen vorausdenken und nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Genau für die ist ein solcher Tag gemacht. Man kann reden, ohne dass gleich etwas daraus folgen muss.
Ein Mann erzählte mir von seiner Mutter, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht mehr in ihre eigene Wanne stieg. Er fragte nicht nach Produkten. Er fragte, ob das wieder besser werden kann.
Kann es.
Oft mit weniger Aufwand, als die Familie befürchtet. Häufig reicht die Wanne raus, eine bodengleiche Dusche rein, ein Haltegriff an der richtigen Stelle, und der Alltag funktioniert wieder allein.
Wer tiefer einsteigen wollte, dem habe ich den Weg zum Thema Geld gezeigt. Denn bei einem barrierefreien Umbau liegt häufig Förderung bereit, die schlicht nicht abgerufen wird. Bis zu 4180 EUR über die Pflegekasse sind möglich, oft kombinierbar mit weiteren Töpfen. Wie das in Nordrhein-Westfalen funktioniert und warum der Antrag immer vor den Auftrag gehört, habe ich an anderer Stelle ausführlich aufgeschrieben, in meinem Beitrag zur Förderung für ein barrierefreies oder barrierearmes Bad.

Warum ich im nächsten Jahr wieder dabei bin
Ich war im Vorfeld nicht in jeder Hinsicht glücklich mit den Bedingungen für kleine Aussteller. Aber an diesem Tag wurde ich immer wieder positiv überrascht, was die Orga und die Gespräche mit Ihnen betrifft.
Es zählt die Frau, die nach dem Gespräch leichter wirkte als davor. Der Sohn, der zum ersten Mal eine Idee hatte, wie er helfen kann. Die kurze Sekunde, in der jemand merkt: Da ist jemand, der zuhört, bevor er etwas verkaufen will.
Dafür lohnt sich solch ein Samstag. Jedes Mal.
Sie haben den Tag verpasst?
Kein Problem. Die Fragen, die am Stand kamen, beantworte ich genauso gern in Ruhe. Ohne Trubel, ohne Zeitdruck, ohne dass daraus gleich ein Auftrag werden muss.
Kommen Sie in den Showroom nach Hagen, wenn Sie etwas anfassen und ausprobieren möchten. Besuchen Sie uns am 27.06.2026 auf dem Schwelmer Gesundheitstag 2026 in der Innenstadt. Oder schreiben Sie mir, wenn Ihnen ein erstes Gespräch lieber ist. Auch Angehörige sind jederzeit willkommen.
Ihr Thomas Bratzke
